Lehrer werden

Einen Workshop für alle elf Quereinsteiger gibt es seit diesem Schuljahr am Maristen-Gymnasium mit unter anderem extra erstellten Materialien.
Schulinterner Workshop für Quereinsteiger
Was tun, wenn aufgrund von eklatantem Fachkräftemangel studierte Lehrerinnen und Lehrer derzeit auf dem Markt mehr als Mangelware sind? Am Maristen-Gymnasium haben wir uns bereits frühzeitig darum bemüht, sogenannte Quereinsteiger für unsere Schule zu gewinnen. Da diesen aber verständlicherweise die Basis der Lehrerausbildung fehlt, gibt es seit dem Halbjahr nun einen schulinternen Workshop. Um die neuen Kolleginnen und Kollegen das Berufsfeld der Lehrkraft mit all seinen Facetten näher zu bringen und diese mit dem nötigen Rüstzeug für den Schulalltag zu versehen.
Es ist an einem Mittwochnachmittag am Maristen-Gymnasium Furth, als elf erwachsene Frauen und Männer wieder die Schulbank drücken. Auf dem Stundenplan: Gymnasiale Schulordnung, BayEUG, Didaktik, Pädagogik – alles das, was ein Lehrer als Rüstzeug für den Alltag an der Schule benötigt. Zusammengekommen sind an diesem Nachmittag Anfang März die neuen Lehrerinnen und Lehrer, die zum 2. Halbjahr ihren Dienst am MGF angetreten haben, elf insgesamt seit dem Jahresstart im September. Sie alle eint: Sie haben zwar die fachliche Eignung, etwa als Mathematiker oder Biologin, was allen aber fehlt, ist die weitere Ausbildung einer Lehrkraft, die aber für den Alltag am Gymnasium ebenso wichtig ist. Darum kümmert sich nun Matthias Spanrad, Mitglied der Erweiterten Schulleitung und seit fast zehn Jahren ausgebildeter Lehrer für Deutsch und Geographie. Er hat dafür extra Workshop-Materialien erstellt, die in komprimierter Form einen Überblick geben sollen.
Und in der ersten Workshop-Runde wird es juristisch: LDO, GSO, BayEUG, die Pflichten und Rechte eines Lehrers stehen als Erstes auf der Tagesordnung. Wie definiert sich ein Großer Leistungsnachweis, wie ein Kleiner, welche "Deadlins" gibt es beispielsweise bei Korrekturen. Interessant wird es auch, als es um den Artikel 131 in der Bayerischen Verfassung geht, der etwa vorschreibt, dass die Aufgabe von Schule zwar darin besteht, Wissen und Können zu vermitteln, aber auch Herz und Charakter zu bilden. Auch viel über das Gebot politischer Werbung in der Funktion als Lehrer bzw. Lehrerin erfahren die neuen Kollegen, überdies was es bedeutet, Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen zu verhängen. Was darf ich nach dem Artikel 86 im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) und was nicht? Wie gehe ich vor, wenn Gespräche alleine bei einem Schüler nicht mehr fruchten?
Schulleiter Christoph Müller, der an diesem ersten Workshoptag ebenfalls anwesend ist, referiert über das Verständnis von Schule. Eben über jenen Artikel 131 in der Verfassung, vor allem aber auch über das Verständnis einer Schule im katholischer Trägerschaft. Die Quereinsteiger erfahren etwa darüber, was das Gravissimum Educationis über Schule aussagt, nämlichen einen Lebensraum zu schaffen, in dem der Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums lebendig ist. Oder auch über die fünf maristischen Werte, die die Arbeit am MGF und vor allem mit den Kindern und Jugendlichen seit jeher prägen: die Einfachheit etwa, vor allem aber der Familiensinn.
In den weiteren Workshop-Tagen steigen die Quereinsteiger dann schließlich immer tiefer ein in die "Materie Unterricht". Wie erstelle ich einen Leistungsnachweis korrekt, welche Bestandteile müssen enthalten sein, welche Operatoren verwenden ich, um die gewünschten Antworten zu erhalten und dann auch bewerten zu können? Ebenfalls auf dem Stundenplan des Workshops mit Matthias Spanrad aus der Erweiterten Schulleitung: Wie konstruiere und plane ich eine Unterrichtsstunde, um zum einen Wissen und Können, am Ende aber auch Kompetenzen zu vermitteln. Artikel 131 lässt grüßen. Viel ist hier die Rede von motivierendem Einstieg, Erarbeitungs- und Sicherungsphasen, von Transfer und Anwendung, von Hausaufgaben- und Übunsphasen. Alles das eben, was ausgebildete Lehrkräfte bisher über das Referendariat vermittelt bekamen, am MGF aber nun für die Querereinsteiger, also Frauen und Männer, die zuvor meist in der freien Wirtschaft oder an der Universität Erfahrung gesammelt haben, explizit nachgeholt wird.
Schulleiter Christoph Müller resümiert am Rande des Quereinsteiger-Workshops: "Zusätzlich zu weiterhin ausgebildeten Lehrkräften greifen wir jetzt eben verstärkt auf hoch qualifizierte Quer- und Seiteneinsteiger zurück." Um aber nicht nur den Pflichtunterricht abzudecken, sondern auch das breitgefächerte Angebot weiter bieten zu können, bemühe man sich mittlerweile sehr aktiv um die Quereinsteiger. "Und ich bin froh, dass wir diese äußerst motivierten Frauen und Männer gewinnen konnten und immer noch können", so Müller weiter. Es sei schön zu sehen, mit welchem Elan und Eifer sie sich in den Schulalltag, ein für sie unbekanntes Terrain, hineinarbeiten würden. „Zudem profitieren wir sicher auch von der Erfahrung, die sie in ihren bisherigen berufen sammeln konnten.“ Und deswegen ist es für das MGF eine Selbstverständlichkeit, mit einem Workshop nun die Basis für die Arbeit an der Schule zu schaffen – selbst wenn Erwachsene dafür noch einmal die Schulbank drücken müssen.
Anmerkung: Sie haben einen entsprechenden Bachelor- und Masterabschluss in einem Fachbereich, der an der Schule unterrichtet wird? Dann melden Sie sich – wir sind am MGF weiterhin auf der Suche nach motivierten Quer- und Seiteneinsteigerm zur Erweiterung unseres #teamMGF, z.B. Lehrkfäfte für Deutsch oder Physik. Alle Infos zur Bewerbung gibt's hier.
