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Maristen-Missionen hautnah erlebt

Lehrer Johannes Räpple (hinten links) besuchte in den Sommerferien mehrere Stationen in Afrika.
Lehrer Johannes Räpple (hinten links) besuchte in den Sommerferien mehrere Stationen in Afrika.

Lehrer Johannes Räpple besuchte verschiedene Maristen-Stationen in Afrika

Den Maristen-Stationen in Kenia ist das Maristen-Gymnasium seit vielen Jahren verbunden. Geographie-Lehrer Johannes Räpple nahm das zum Anlass, um mehreren Stationen auf dem afrikanischen Kontinent in den vergangenen Sommerferien einen Besuch abzustatten. Seinen Reisebericht hat er uns hier zur Verfügung gestellt. "Vor allem durch die Entscheidung unserer Tochter Veronika, in Tansania in einem Krankenhaus zu arbeiten, hat uns in dieser Entscheidung bestärkt", berichtet Johannes Räpple. "Und die Entscheidung hat sich mehr als rentiert." 

Kenia ist für die meisten Urlauber vor allem ein Ziel für Safaris. Touren durch die Nationalparks des ostafrikanischen Landes zwischen Indischem Ozean und Victoriasee sollten natürlich auch für uns mit zum Programm gehören. Unsere erste Anlaufstelle war aber das Marist International University College in Nairobi, wo wir bei einer der Brüdergemeinschaften einquartiert und bestens versorgt waren. Frater Christian Gisamonyo, Leiter der Universität mit ca. 1100 Studenten, begleitete uns zum Elefanten-Waisenhaus und zum Giraffe-Center, und zeigte uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Auch Provinzsekretär Theodoro Gadet fuhr uns durch die Millionenstadt, in der vor allem der wirklich chaotische Verkehr, die hohen Mauern mit Stacheldraht um Privatgrundstücke, die allgegenwärtige Präsenz von Sicherheitskräften und die extreme Luftbelastung auffielen. Auch prägen große Gegensätze zwischen reichen und extrem armen Regionen das Stadtbild. Bei einem Besuch im Provinzialhaus konnten wir den Verantwortlichen für Afrika Zentral Ost, Theoneste Kalisa, kennenlernen und auch mit Richard Kabwika sprechen, der für unser Hilfprojekt im Ostkongo zuständig ist, das das MGF über die Benefizaktion „Kinder laufen für Kinder“ unterstützt.

In der darauffolgenden Woche besuchten wir mit einer gebuchten Tour drei Nationalparks: Amboseli, Lake Navasha und Lake Nakuru sowie Maasai Mara, den nördlichen Teil der Serengeti. Aufstehen gegen vier Uhr,  zehnstündige Holperfahrten über Schotter- oder Schlammpisten und Nächtigen in z.T. einfachen Zeltunterkünften wurden durch die phantastische Szenerie der Landschaften, die vielfältigste Pflanzenwelt und vor allem durch atemberaubende Tierbegegnungen weit mehr als wettgemacht. 

Nachdem Veronika zum Ende der Safari nach Tansania fuhr, ging für meine Frau und mich die Reise weiter zum Victoriasee. Auf der Insel Mfangano betreut Frater Hans Seubert, 83, seit 25 Jahren in Ramba eine Handwerkerschule, die derzeit etwa 40 Auszubildende der Fachrichtungen Maurer, Schreiner, Installateur, Elektriker und Näherin besuchen. Auch ein Kindergarten wurde vor einigen Jahren eingerichtet, in dem die Kleinen bereits dreisprachig lernen, Luo, Kisuaheli und Englisch, und zwar auf dem Niveau unserer ersten Grundschulklasse. Das Gelände umfasst etwa einen Hektar und basiert auf Selbstversorgung mit pflanzlichen und tierischen Produkten sowie bei Wasser- und Stromversorgung. Wir waren in dem neuen Gästehaus untergebracht, einfach für europäische Verhältnisse, aber mit dem Nötigsten ausgestattet. Die Internats-Unterkünfte der Schüler muss man sich ausgesprochen spartanisch vorstellen. Gekocht wird im Freien auf offenem Feuer.

Wir nahmen an den Morgenandachten teil und aßen gemeinsam mit Frater Hans, seiner Haushälterin, einem kürzlich aufgenommenen verwaisten Jugendlichen und der neuen Volontärin Johanna aus Mindelheim, die für neun Monate dort v.a. im Kindergarten helfen wird.

Die gesamte Anlage wurde seit 2003 durch mehrere Spendenaktionen des MGF unterstützt, vor allem zum Erstellen der Wasserversorgung und zur Ausstattung der Schulungsräume.

Frater Hans hatte vor kurzem einen Malariarückfall und ist mittlerweile für zwei Monate in Deutschland, um sich hier zu erholen. Seinen Nachfolger in Ramba, Maurice, hat er bereits vor Jahren bestimmt. 

Bei einem Badeausflug mit Jugendlichen der Schule auf die Nachbarinsel Takawiri kamen zahlreiche Kinder des Ortes auf uns zu, um mit uns zu scherzen und uns zu berühren – Hellhäutige werden dort offenbar nur selten gesichtet. Am vierten Tag begleiteten uns dann einige Schüler mit dem Boot der Handwerkerschule zu unserer nächsten Station, der Primarschule Our Lady of Orore, wo fünf Brüder sich mit weiteren Lehrkräften um den Betrieb der Einrichtung kümmern. Von der ersten bis zur achten Klasse werden dort ca. 300 Kinder und Jugendliche unterrichtet, etwa einhundert davon besuchen das Internat. Auch diese Schule wurde durch das MGF in den letzten Jahren mit größeren Sammlungsbeträgen gefördert, die vor allem den Bau der Unterkünfte aber auch das Sommercamp 2016 mitfinanzierten. Bei diesem Event wird Kindern, die in den Ferien nicht nach Hause kommen können, von ehemaligen Volontären maristischer Einrichtungen ein vielfältiges Spiel- und Lernprogramm geboten. Während unseres Aufenthalts waren auch Provinzialrat Frater Michael Schmalzl und Wolfgang Hacker aus Mindelheim mit neun Helfern anwesend, die gerade das Sommercamp 2018 durchführten. Lange Gespräche mit den Brüdern aus Ruanda und dem Kongo, den Volontären und Schülern sowie ausführliche Besichtigungen des weitläufigen Geländes ermöglichten es uns trotz der recht kurzen Zeit einen zuverlässigen Eindruck über die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort zu bekommen. Zum Abschluss unserer Tour flogen wir nach Mombasa, wo wir uns die abenteuerliche alte Innenstadt ansahen, die besonders durch die Kolonialzeit der Portugiesen und Araber sowie starken indischen Einfluss geprägt ist, und den letzten Tag am nahegelegenen „Piratenstrand“ verbrachten.

Auch wenn wir nun schon seit einem Monat zurück in Deutschland sind, hallen die Eindrücke und Erlebnisse noch deutlich nach. Besonders beeindruckend waren Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit, die Fähigkeit der Menschen, Gemeinschaft intensiv zu erfahren und eine tiefe Art von Gläubigkeit und Spiritualität. 

Mir stellen sich vor allem zwei Fragen: Wie können die Werke der deutschen Maristenbrüder in Kenia aber auch in vielen anderen Ländern einer benachteiligten Welt weitergeführt werden? Hier braucht es den Glauben an die Kraft der guten Tat und die Zuversicht des Sämanns, der darauf hofft, dass die Frucht seiner Arbeit aufgehen wird. Viele positive Auswirkungen sind bereits erkennbar. 

Zum anderen ergibt sich die Überlegung, was wir denn an Gütern und Komfort um uns herum tatsächlich benötigen, und ob es nicht sinnvoller wäre, auf das eine oder andere zu verzichten. Denn die verschwenderische Lebensweise der reicheren Länder findet nicht nur auf Kosten der Lebensgrundlagen von sogenannten Entwicklungsländern statt, sie gefährdet mittlerweile die des gesamten Planeten. Mehr Solidarität aller Staaten untereinander in der Einen Welt wäre wohl hier das Motto.

Johannes M. Räpple

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