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Kurs auf Cambodunum

Zwei Tage auf Fortbildung unterwegs war die Fachschaft Latein.
Zwei Tage auf Fortbildung unterwegs war die Fachschaft Latein.

Fachschaft Latein war auf zweitägiger Exkursion

Kempten im Allgäu, die älteste schriftlich erwähnte Stadt Deutschlands, erwies sich für die Lateinlehrer des MGF als idealer Ort für Aus- und Weiterbildung auf den Gebieten der Altphilologie, Archäologie und alter Geschichte. In einem Tagungsgespräch und einer Fachsitzung resümierten die Lehrer über neue Möglichkeiten bezüglich W- und P-Seminare im Fach Latein, aber auch über die Bedeutung der frühen Funde aus der Römerzeit im Südwesten Bayerns und den Einsatz dieser Erkenntnisse im Lateinunterricht allgemein.

Auch wenn das vehiculum zunächst nicht seine volle Pferdestärke erreichte, da sich vor der Abreise offensichtlich eine kleine bestia namens murinis thorace an den Kabeln zu schaffen machte (auf Deutsch: Marderschaden), landeten die fünf Lehrer der Fachschaft Latein schließlich doch pünktlich und wohlbehalten in Cambodunum.

Cambodunumwar der Name der kaiserzeitlichenrömischenStadt auf dem Gebiet der heutigen Stadt Kemptenim Allgäu. In der frühen und hohen Kaiserzeit war Cambodunum eine der bedeutendsten Römerstädte der ProvinzRaetiaund wahrscheinlich vor Augsburg(Augusta Vindelicorum)erste Hauptstadt der Provinz.
Über Jahrhunderte existierten hier zwei Städte miteinander und oftmals auch gegeneinander, hier die evangelische Reichsstadt und dort die katholische Stiftsstadt, inmitten eines der größten Territorien eines Fürststifts im süddeutschen Raum.

In der „Stadt an der Flusskrümmung“, wie der römische Name Cambodunum wortwörtlich übersetzt heißt, war nach einem Stadtrundgang die Besichtigung kulturhistorischer Bauten in der Innenstadt auf dem Programm. Dazu gehörten das Rathaus, deutlich sichtbar mit dem Stadtwappen des Doppeladlers, die Residenz, 750 gegründetes Benediktinerstift, ein Juwel des bayerischen Rokoko mit vielen Bildern und Allegorien zum Selbstverständnis des mächtigen Fürststifts und der Stiftsstadt, sowie der St. Mang Brunnen im Jugendstil zu Ehren des Heiligen Magnus, dem Apostel des Allgäus und Kreuzbringer. Die auf Tieren sitzenden Knaben und Faune verkörpern die vier Elemente sowie göttliche Kraft und Gnade. Der begnadete Künstler unter uns konnte nicht umhin, in Anbetracht der Originalität und Schönheit den Stift zu zücken und eine Zeichnung anzufertigen.
Ein high light aber war mit Sicherheit die Erasmuskapelle. Mit einem Lift geht es nach unten, wo im Schauraum ein Zeitraffer nicht nur der Geschichte der Kapelle, sondern der ganzen Stadt Kempen, angefangen von den Römern bis heute, dargeboten wird. Dabei kommt moderne Museumspädagogik genauso zum Einsatz, die virtuell und audiovisuell die Besucher in alte Zeiten versetzt, wie ebenso auch eine reelle Führung, bei der die Kemptener stolz und selbstbewusst zwei Jahrtausende der 70 000 Einwohner zählende Stadt präsentieren. 

 

Am zweiten Tag wurde es dann für die Lateinlehrer richtig interessant. Im Archäologischen Park Cambodunum (APC) erfährt man eigentlich alles, was man über das Leben der Römer in der Antike wissen kann. Dabei ist der größte Teil des ehemals römischen Areals (noch) gar nicht ausgegraben und kann wohl auf lange Sicht auch nicht ausgegraben werden, da sich darüber eine große Siedlung aus den 60iger Jahren und eine alte Kirche befinden, und beides lässt sich nicht einfach entfernen. Trotzdem ist der Park umfangreich und lebt auch von den vielen getreu nach gearbeiteten Teilen, Die dort ansässigen ca. 3000 Römer waren, wie ja bekanntlich überall, große Baumeister, und das beginnt schon beim Straßenbau. Nach der Besichtigung der Römerstraße geht es gleich weiter auf den Tempelbezirk. Hier ist vor allem für Schulklassen einiges geboten. Im Umgangstempel befindet sich der Besucher hautnah in einer virtuellen Prozession mit reichhaltigen Opfergaben. Beliebt sind die in den anschließenden Gebäuden aufgebauten interaktiven Spiele zu den römischen Göttern und ihren Symbolen. In Schaukästen werden antike Funde ausgestellt; da gibt es alles von Werkzeugen über Waffen bis zu prächtigen Schmuckstücken. Ein Großteil der einstigen römischen Provinzhauptstadt ist dank einzigartiger archäologischer Funde am Hochufer der Iller in Kempten bis heute erkennbar. Weiter geht der Rundgang zum Forum mit Basilika und zu den Kleinen Thermen. Einst private Thermen des Stadthalters, zeugen sie auch heute noch von großer Ausschmückung an den Wänden, von Komfort und Hygiene und natürlich von der Genialität durch das Hypokausten-System. Die große Statue des Augustus ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, es ranken sich auch Legenden um sie. So zeigt der rechte Zeigefinger des Kaisers nicht wie üblich gen Rom, sondern … zur besten Eisdiele der Stadt.
Wie gesagt, die Kemptener geben sich selbstbewusst!

Die Lehrer kehrten auf jeden Fall „voller“ nach Hause zurück, voller Impressionen, voller Informationen, voller neuer Ideen und, ja, wahrscheinlich auch voller an Kilogramm, denn auch die gute schwäbische Küche wollen wir nicht unerwähnt lassen.

Gabi Rogalli, Fachschafts-Leiterin Latein

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