„Wer kein Latein konnte, war damals eh ein halber Barbar!“
Was machten eigentlich die Römer in Niederbayern? Wie lebten sie hier? Was war ihnen wichtig? Und woher wissen wir so etwas überhaupt? Mit diesen Fragen – und vielen verschiedenen Antwortschnipseln – setzten sich die 50 Latein-Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe am 04. Mai auseinander, als sie das Museum Quintana in Künzing besuchten. Nach der Begrüßung durch Museumsleiter Roman Weindl wurden die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt und begegneten der Welt der Römer auf zwei sehr unterschiedliche Weisen:
Zum einen lauschten sie interessiert den Erzählungen von Roman Weindl, der nicht nur die Exponate der Römer-Abteilung des Museums vorstellte (in Künzing wurde sogar ein römisches Kastell entdeckt!), sondern auch sehr lebensnah und lebhaft die Welt der Römer mit unserer Welt heute in Bezug setzte. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass die Bewohner unseres Gebietes, die sich dem römischen Heer anschlossen, zwar ihr Schwert selbst mitbringen mussten (oder es ‚leasen‘ konnten), dafür aber besser ausgestattet wurden als es in der deutschen Bundeswehr lange der Fall war – jeder bekam ein eigenes Kettenhemd! Als Bezahlung erhielten die Soldaten Silbermünzen, mit denen sie sich gerne Becher kauften – so wie einige heute bestimmt einen FC Bayern-Becher im Schrank haben!
Immer wieder legte Roman Weindl dar, woher wir solche Dinge über die Römer überhaupt wissen. Ein Beispiel: Sieht man auf einem FCB-Becher heute z.B. Mario Basler im FCB-Trikot, kann man ihn zeitlich ziemlich genau einordnen – und ganz ähnlich arbeiten auch Archäologen und Archäologinnen!
Klar wurde den Jugendlichen bei dieser Führung auch, warum es in „jedem Kaff“ bei uns Döner und Pizza gibt: So, wie die „Gastarbeiter“ in den 50er-Jahren unsere (Ess-) Kultur beeinflussten, geschah das auch schon zur Zeit der Römer in Bayern; die Römer beeinflussten unsere Region durch ihre Ernährung, Kleidung und ihre Religion.
Interessant war auch ein Blick auf das Bildungssystem von damals: Damals war es durchaus üblich, auf den Markt zu gehen, um sich lesen, schreiben und rechnen beibringen zu lassen; wollte man aber wirklich ausgebildet werden, brauchte man einen Griechen! Denn echte Bildung wurde damals auf Griechisch vermittelt – und wer nicht einmal Latein sprechen konnte, galt als ungebildet und dadurch als „halber Barbar“!
Neben diesen Beobachtungen und Erkenntnissen wurde die Welt der Römer für die Schülerinnen und Schüler aber auf noch eine ganz andere Weise lebendig: Auf die Lateinerinnen und Lateiner wartete ein Escape-Room! Die Jugendlichen begegneten dem mysteriösen „Mr. Q“, der sie zu verschiedenen Challenges aufforderte, für die sie 45 Minuten Zeit hatten. Sie mussten schnell und präzise in Kleingruppen archäologische Rätsel lösen, Rüstungen untersuchen, Funde datieren und Methoden der Archäologie anwenden. Auf die schnellsten Gruppen wartete eine Bonus-Aufgabe, in der es galt, einen Tresor zu knacken. Als Belohnung erhielten die Jugendlichen eine goldene Rolle – gefüllt mit Paprikachips.
Der Besuch im Museum Quintana gefiel unseren Latein-Schülerinnen und Schüler sehr gut – wir werden die Welt der Römer wieder besuchen!
Veronika Hirschberger
