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„Jeder gute Journalist hat Gummistiefel im Kofferraum“


Warum braucht ein Journalist eigentlich Gummistiefel? Ganz einfach: Weil echter Journalismus dort stattfindet, wo etwas passiert – im Matsch, vor Ort, direkt bei den Menschen. Am Maristen-Gymnasium Furth bekamen die beiden Französischkurse eA und gA der Q13 einen exklusiven Einblick in die Arbeitswelt eines Lokalredakteurs. Auf Initiative zweier Schülerinnen, die den Kontakt beim Demokratieempfang des Markts Altdorf geknüpft hatten, besuchte Michael Faaß, Redaktionsleiter der Landshuter Zeitung, die Schule. Im Zentrum des Gesprächs standen die Fragen, die Jugendliche zum Thema Medien interessieren: Die Zukunft der gedruckten Presse und die Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz. Beide Themen werden gerade im Unterricht thematisiert und so passte der Besuch von Herrn Faaß optimal zum Lehrplan.

Michael Faaß, der seit rund 30 Jahren für die LZ tätig ist, skizzierte zu Beginn seinen Arbeitsalltag, der eigentlich nie ein echtes „Abschalten“ erlaubt. Von der morgendlichen Redaktionskonferenz bis zur digitalen Gestaltung der Druckvorstufe ist er mitverantwortlich für ein Blatt, das bereits seit 1849 besteht und damit zu den ältesten und letzten inhabergeführten Zeitungen Deutschlands zählt. In einer Zeit, in der soziale Medien oft ungeprüfte Behauptungen verbreiten, betonte Faaß die Rolle der Zeitung als „Vierte Gewalt“ im Staat. Saubere Recherche, die Einbeziehung von Hintergrundzahlen und die strikte Trennung von Berichterstattung und politischer Einflussnahme seien das Fundament einer guten Zeitung. Sein Presseausweis gebe ihm viele Freiheiten, sei aber auch mit viel Verantwortung verbunden.

Besonders intensiv diskutierten die Schülerinnen und Schüler mit dem Gast über den Einfluss der Künstlichen Intelligenz. Zwar nutzt die LZ bereits einen internen „KI-Copiloten“ als Unterstützung beim Redigat oder zum Kürzen langer Texte, doch Faaß warnte vor einer Überschätzung der Technik. Eine KI könne zwar schnell verarbeiten, was bereits im Netz stehe, sie könne aber nicht selbstständig recherchieren oder die Aktualität vor Ort erfassen. Zudem stelle die rasante Entwicklung von KI-generierten Bildern, die selbst für Profis kaum noch als Fälschung erkennbar sind, eine enorme Gefahr dar. Hier sei das Verifizierungsteam der Zeitung wichtiger denn je, um Fake News und Verleumdungen konsequent auszuschließen.

Auch das Handwerk selbst hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Aufgrund der allgemeinen Reizüberflutung sind Artikel heute selten länger als 80 Zeilen, werden optisch durch viele Infokästen aufgebrochen und eng mit sozialen Medien wie Instagram verzahnt. Journalistinnen und Journalisten müssen sich heute ständig fortbilden und sich gleichzeitig eine „Elefantenhaut“ zulegen, um mit negativem Feedback oder gar Hass im Netz umzugehen. „Es wäre ein schlechter kritischer Kommentar, wenn es dazu keine Leserbriefe gäbe“, konstatierte Faaß zu diesem Thema gelassen.

Zum Ende seines Besuchs richtete der Redaktionsleiter einen flammenden Appell an die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten. Er forderte sie auf, nicht nur als Leserinnen und Leser, sondern auch als aktiv Gestaltende aufzutreten – sei es durch eigene Beiträge als freie Mitarbeitende oder durch politisches Engagement. „Nehmt aktiv an der Demokratie teil! Ihr seid das Feuer, das die Demokratie am Köcheln hält!“, so sein Fazit. Damit endete zwei Französischstunden der etwas anderen Art, die den Schülerinnen und Schülern den Wert von Qualitätsjournalismus eindrucksvoll vor Augen führte.

Ursula Schwoerer

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