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Gemeinsamer Austausch


Teilnahme an der Schulleitertagung der UNESCO-Projektschulen im Auswärtigen Amt in Berlin

Was sind die Anforderungen, denen Schulen in Zeiten der Globalisierung gegenüberstehen und welchen Beitrag können gerade UNESCO-Projektschulen dazu leisten, den Gedanken der globalen Solidarität weiterzutragen?

Die Schulleitertagung aller deutschen UNESCO-Projektschulen, die am 09. und 10. Juni im Auswärtigen Amt in Berlin stattfand, widmete sich im Rahmen des Themas „Internationalität an UNESCO-Projektschulen“ diesen Fragen. Teilgenommen an dieser Tagung haben vom Maristen-Gymnasium Furth der Schulleiter, OStD Christoph Müller, zusammen mit der stellvertretenden UNESCO-Schulkoordinatorin Ursula Schwoerer, die in der Erweiterten Schulleitung für den Bereich „Internationales“ zuständig ist.

UNESCO-Projektschulen, die sich als besondere Akteurinnen der Globalisierung und der Internationalisierung der Gesellschaft verstehen, sind in hohem Maße gefordert, Schritte zu einer qualitativen Veränderung von Bildung zu benennen. Das Maristen-Gymnasium Furth stellt sich dem Qualitätsanspruch einer UNESCO-Projektschule ganz bewusst, gehört es doch schon seit dem Jahr 2015 zum internationalen UNESCO-Netzwerk. Regelmäßig überprüft die UNESCO-Kommission, die ihren Hauptsitz in Paris hat, die Projekte und Aktivitäten der Schule sehr genau und unterstützt das Maristen-Gymnasium dabei, die internationale Partnerschaftsarbeit zu verstärken, die sich am Wertekanon der UNESCO orientiert.

Schon der Tagungsort der Schulleitertagung, der Weltsaal des Auswärtigen Amts, ist geschichtsträchtig, fanden doch in ihm beispielsweise auch die Konferenzen zur Wiedervereinigung Deutschlands statt, so Irmgard Maria Fellner, im Auswärtigen Amt zuständig für Kulturpolitik, in ihrer Begrüßungsrede, Dr. Roman Luckscheiter, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, ging anschließend auf die Bedeutung des internationalen Netzwerks der UNESCO-Projektschulen ein und dankte den anwesenden Schulleiterinnen und Schulleitern für ihr vielfältiges Engagement. Es gelte jetzt, herauszuarbeiten, wie es den Schulen mit innovativen Lernformaten gelingen kann, nicht nur Institutionen der Wissensvermittlung zu sein, sondern auch eine werteorientierte Haltung in der ganzen Schulfamilie zu erreichen.

Wie kann Versöhnung gelingen? Wie kann Frieden vorbereitet werden? Professor Uli Jäger, Direktor des Programms „Friedenspädagogik und Globales Lernen“ der Berghof Foundation, einer unabhängigen Organisation, die sich mit Modellen zur Konfliktlösung auf der ganzen Welt beschäftigt, faszinierte die Zuhörerinnen und Zuhörer mit seinen Einsichten. Er erklärte, warum dem Prozess Friedensbildung gerade jetzt – vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine – eine wichtige Rolle zukommt und verwies immer wieder auf den einen Grundsatz: Versöhnung ist möglich. Es sei möglich, mit Konflikten konstruktiv umzugehen und gewaltfreie Lösungen zu finden. UNESCO-Projektschulen könnten ihre weltweiten Kontakte vorbildhaft als Netzwerk für Toleranz, Versöhnung und Friedensgestaltung ausbauen, müssten ihren Schülerinnen und Schülern aber den Raum geben, um gemeinsam die Vision eines friedlichen Miteinanders zu entwickeln.

Eine ganz besondere Rolle kommt in diesem Kontext dem Begriff der Internationalität einer Schule zu. Auch diesen Weg beschreitet das Maristen-Gymnasium mit verschiedenen Ansätzen konsequent. Frau Prof. Dr. Annette Scheunpflug von der Universität Bamberg stellte die Ergebnisse einer von ihr verfassten Studie zu internationalen Aktivitäten deutscher UNESCO-Projektschulen vor, aus der hervorgeht, welch hohes Engagement die UNESCO-Projektschulen für die internationale Arbeit zeigen. Das UNESCO-Schulprofil ziehe sich dabei wie ein roter Faden durch das Engagement der beteiligten Schulen und sei als solches in den Schulprofilen fest verankert. Natürlich biete dieses Netzwerk aber auch die Chance, neue Kooperationen einzugehen und somit neue Partner auf der ganzen Welt zu finden.

Besonders ergreifend war der Auftritt von Tetiana Protsenko, die Schulleiterin einer ukrainischen UNESCO-Projektschule ist, der Odessa Private Specialized School „Garmoniya“, was auf Deutsch übersetzt „Harmonie“ heißt. Sie erzählte sehr anschaulich, was es heißt, eine Schule in einem Kriegsgebiet zu führen, vor welchen besonderen Herausforderungen die Lehrkräfte und natürlich die Schülerinnen und Schüler stehen und wie der Unterricht momentan gehandhabt wird. Es war sehr beeindruckend zu hören, dass auch in Zeiten des Krieges Schule funktionieren kann, vor allem als Ort der Zusammengehörigkeit und als Symbol der Hoffnung. Die Werte der UNESCO erscheinen hier in ganz neuem Licht.

Den zweiten Tag der Veranstaltung begann Dr. Sarah Fichtner, die als Sozialanthropologin am Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie in Berlin tätig ist. Sie stellte die Ergebnisse der aktuellen Cornelsen Schulleitungsstudie vor, die sich mit Chancen der Veränderung befasst hat. Diese Studie zeigt eine Bestandsaufnahme der Situation von allgemeinbildenden Schulen in Deutschland im Herbst 2021, also nach den ersten Erfahrungen der Coronapandemie, und stellt dar, wie Schulleiterinnen und Schulleiter die Chancen für eine Weiterentwicklung der Schulpädagogik einschätzen.

Klaus Schilling, der Bundeskoordinator der UNESCO-Projektschulen, ermutigte die Schulleiterinnen und Schulleiter dazu, auch in Zukunft aktive Netzwerk-Arbeit zu leisten und sich über Erfolge, aber auch Herausforderungen, die die UNESCO-Arbeit an den Schulen mit sich bringe, auszutauschen. Die Bundeskoordination stelle dafür zahlreiche Tools zur Verfügung, die einem ständigen Entwicklungsprozess unterliegen.

In anschließenden Foren widmeten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz den vorgestellten Themen noch einmal intensiv und hatten Gelegenheit zum Austausch. Für das Maristen-Gymnasium Furth stand dabei vor allem das Thema der Internationalität im Vordergrund und die Möglichkeit, neue Schulpartnerschaften mit den über 800 Partnerschulen des UNESCO-Netzwerks aus 100 Ländern zu gestalten. Wir gehen unseren internationalen Weg im Einklang mit den Zielen der UNESCO konsequent weiter, auch und vor allem im Kontext von Frieden und Versöhnung.

„Dieselbe Spezies, die den Krieg erfunden hat, kann auch den Frieden erfinden. Jeder von uns ist dafür mitverantwortlich.“ (Erklärung von Sevilla zur Gewalt, 1986)

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